Bernd Bachofer in Japan
Die Anfrage kam überraschend, doch eine Entscheidung war schnell getroffen: Anfang August 2009 erhielt ich ein Angebot vom Staatsministerium Baden Württemberg, das Catering beim Empfang zum Tag der Deutschen Einheit in der Residenz der deutschen Botschaft in Tokio auszurichten. Mitgastgeber der Feierlichkeiten war der damalige Ministerpräsident Günther Oettinger, der das Land Baden-Württemberg als Wirtschaftsstandort und Reiseland präsentierte. Der außergewöhnliche Auftrag war zum einen eine große Ehre für mich - und ließ sich zum anderen auch perfekt mit meinen Urlaubsplänen kombinieren. Denn Japan stand schon lange auf meiner Reise-Agenda!
Doch vor dem Urlaub stand zunächst die Arbeit: Gemeinsam mit 5 befreundeten Köchen der Meistervereinigung planten wir den Empfang des damaligen Ministerpräsidenten Oettinger samt Wirtschaftsdelegation, zu dem 1.500 Gäste eingeladen waren. Das Unterfangen war nicht einfach - zumal wir kein einziges Lebensmittel importieren durften. Daher beschlossen wir, mit einem 5- Sterne Hotel in Tokio zusammenzuarbeiten - diese Entscheidung sollte uns als Glücksfall in Erinnerung bleiben! Also wurden Rezepte übersetzt und Anforderungslisten erstellt. Das Büfett in der Botschaft sollte einen japanischen und einen Baden-Württembergisch regionalen Charakter haben. Für die Produktbeschaffung vor Ort war dies nicht immer lösbar: Eine vorwiegend festkochende Kartoffel für einen echten schwäbischen Kartoffelsalat in Japan aufzutreiben, erwies sich zum Beispiel als unmöglich.
Vor mir stand also eine spannende Reise mit ungewissem Ausgang, auf die ich mich aber - vor allem aus kulinarischer Sicht - uneingeschränkt freute. Schließlich wurde Tokio vom berüchtigten Gourmetführer Guide Michelin nun schon zum 2. Mal hintereinander zur Welthauptstadt der besten Restaurants ausgezeichnet! Und zwar völlig zu Recht - wenn wir einmal von der obersten Restaurant-Kategorie absehen.
Die mannigfaltige Auswahl an konsequent frischen Produkten und die Vielfalt an unglaublichen Restaurationen sind einzigartig. Keine Küche, die ich kenne, macht mehr Sinn, als die japanische: Alles wird auf das Produkt fokussiert, von allem Überflüssigen befreit und auf das Allernotwendigste beschränkt. Das Essen und auch die Entspannung sind in Japan asketisch und kompromisslos, frei von Effekten und Ablenkung - schön wie eine langstielige Calla!