Die Geschichte der Maultaschen

ausgezeichnet regional

Geschichten und Legenden rund um die Erfindung der Maultaschen gibt es viele. Eines jedenfalls steht fest: Es handelt sich um eine schwäbische Spezialität mit jahrhundertealter Tradition, die vor allem auf mündlichen Überlieferungen basiert.

Maultaschen-Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung geht auf das Jahr 1831 zurück. Damals beschrieb der königlich württembergische Prälat Johannes Christoph von Schmid die Maultasche als "gefüllte Nudel aus Schwaben". Diese Bezeichnung verwendeten auch die Gebrüder Grimm in ihrem Standardwerk von 1885. Erste schriftliche Rezepte für die Zubereitung der Maultaschen sind in Schwaben aus den Jahren 1844 sowie 1905 überliefert.

Ursprünglich waren die Teigtaschen dabei ein Arme-Leute-Essen, da unter der Hülle die Küchenreste der letzten Tage Verwendung fanden. In den Teig wickelte man übrig gebliebenes Fleisch, hart gewordenes Brot oder altes Gemüse, ohne dass es der Familie auffiel. Im Lauf der Zeit ist die Maultasche allerdings salonfähig geworden und wird heute auch mit erlesenen Zutaten gefüllt. In diesen edlen Varianten werden beispielsweise Wachtelfleisch, Kalbsbries oder Steinpilze verarbeitet.

Längst vorbei ist auch die Zeit, als man Maultaschen hauptsächlich in der Fastenzeit als "Herrgottsbscheißerle" gegessen hat. Mittlerweile genießt man die schwäbische Spezialität das ganze Jahr über - am liebsten selbst gemacht oder beim örtlichen Metzger gekauft.

Und wegen der großen Nachfrage werden Maultaschen heutzutage natürlich auch von großen Unternehmen industriell gefertigt - die ersten Maultaschen vom Fließband wurden bereits 1953 an Ostern in Stuttgart verkauft.

 

Maultaschenallerlei
Der Maultaschenweg
Für alle Maultaschen-Begeisterten gibt es auf der schwäbischen Alb sogar einen Maultaschen-Weg. Ausgangs- und Endpunkt ist das historische Residenzstädtchen Bad Urach. In fünf Tagestouren mit jeweils 20 Kilometern führt die Wanderung über Münsingen, Gundelfingen, Ödenwaldstetten und Würtingen. An jeder Station dieser Pilgerreise werden die Wanderer mit köstlichen Maultaschen-Spezialitäten verwöhnt.

Die Maultaschenkönigin
Seit dem Jahr 2000 gibt es eine Maultaschenkönigin, die erstmals in Baiersbronn im Schwarzwald gewählt wurde.

Die EU-Maultaschen
Bei der Europäischen Union wurde im Jahr 2009 ein Antrag genehmigt, den Namen "schwäbische Maultasche" als geografische Angabe unter Schutz zu stellen. Dabei ist exakt beschrieben, welche Form, Größe und Inhaltsstoffe eine schwäbische Maultaschen haben muss, um diesem Namen gerecht zu werden.

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