Ein durchweg talentiertes Duo - Interview mit Friedrich Rentschler und Maximilian Raisch

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Ein kleiner Saal im Hotel „Therme Bad Teinach“. Die große Fensterfront bietet einen schönen Blick direkt ins Grüne. Kurz nacheinander kommen Friedrich Rentschler und Maximilian Raisch herein. Die jungen Männer begrüßen sich locker. Entspannt wirken sie. Kein Wunder – Rummel sind die beiden schließlich gewohnt: Rentschler wurde 2016 Baden-Württembergischer Jugendmeister im Beruf Koch. Und Maximilian Raisch ist deutscher Meister der Bäckermeister.

Sie beide arbeiten in Berufen, die vielen Menschen zu stressig wären. Warum sind Sie trotzdem Koch und Bäcker geworden?
Rentschler: Das Tolle am Beruf Koch ist die Kameradschaft. Man ist zwar von der Außenwelt ein bisschen isoliert. Die alten Freunde siehst du – nun ja … am Wochenende jedenfalls nicht mehr. Aber dafür hast du in der Küche eine neue Familie.
Raisch: Mir war immer klar, dass ich in den elterlichen Betrieb einsteigen werde. Ehrlich gesagt, bin ich lieber in den Betrieb gegangen als in die Schule (lacht). Ich habe schnell meinen Schulabschluss, meine Ausbildung und den Meister gemacht – und hab’s nie bereut.

Herr Rentschler, was steht bei Ihnen sonntags auf dem Tisch?
Rentschler: Na ja, sonntags gibt’s bei mir daheim in der Regel nichts, weil ich da auf der Arbeit bin. Aber es ist nicht so, dass ein Koch sich jeden Tag wer-weiß-was kocht. In den Pausen oder daheim gibt’s bei mir oft einfache Sachen wie Spaghetti bolognese.

Könnte man Sie auch für Pommes und Currywurst begeistern?
Rentschler: Auf jeden Fall!

Gibt’s etwas, das Sie gar nicht essen würden?
Rentschler: Ganz exotische Sachen sind nicht so mein Ding – zum Beispiel Insekten.

Herr Raisch, Titel im Bäckerhandwerk zu ergattern, ist für Sie nichts Neues. Wie kriegen Sie das immer wieder hin?
Raisch: Üben, üben, üben! Das Üben mit meinem Vater, meinen Kollegen von der Nationalmannschaft hat mich weitergebracht.
Rentschler: Dem kann ich mich nur voll anschließen …

Wie lange dauerte die Vorbereitungszeit für die deutsche Meisterschaft?
Raisch: Circa ein halbes Jahr. Wir hatten im Wettbewerb fünf Stunden Zeit und ich hatte mir einen genauen Zeitplan erarbeitet, was ich in jeder Minute zu machen habe – zusammen mit einem Teamkollegen. Der kam zum Üben immer aus Köln zu uns in die Backstube nach Oberriedt.

Wenn Sie woanders Brötchen essen – Torte oder Kuchen – passiert’s, dass Sie sagen: Hätte man besser machen können?
Raisch: Selten kommt’s vor, aber wenn ich woanders esse, dann teste ich schon: Ist es qualitativ schlechter als bei uns? Oder besser? Und da überlegt man dann schon, ob man’s selber vielleicht besser hinbekommt.

Schauen Sie sich Koch- und Backshows an? Wenn ja: warum? Wenn nein: warum nicht?
Rentschler:  Ich schaue mir nur wenige an. Ich habe die Produktion einer Koch-Show einmal live miterlebt: Da wird viel für die Kamera gemacht. In der Realität sieht es aber oft ganz anders aus. Deswegen halte ich auch von den Restaurant-Testern und ähnlichen Formaten relativ wenig.
Raisch: Beim Backhandwerk gibt’s ja nur wenige Shows. Klar schaue ich da ab und an mal rein – vor allem wenn Betriebe dabei sind, die ich kenne. Aber generell interessiert mich das weniger. Zudem läuft’s meist zu Zeiten, in denen ich entweder im Geschäft stehe oder schon im Bett bin.

Lange Arbeitszeiten heißt auch: weniger Freizeit. Was machen Sie nach Feierabend?
Raisch: Ich habe recht wenig Freizeit. Ich will mich da aber nicht beschweren. Immerhin plane ich meine Arbeitszeiten ja selber. Ich spiele gerne Fußball. Dreimal die Woche ist Training, sonntags ein Spiel.
Rentschler: Zwei freie Tage in der Woche habe ich auf jeden Fall. Ich bin auch im Fußballverein und mit den Spielen und dem Training ist es da gerade sonntags mittlerweile schwer für mich geworden. Aber ich versuche – so gut es geht – Kontakte aufrechtzuerhalten.

Sie sind beide Anfang 20 – welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Rentschler: Erst einmal im Beruf Erfahrung zu sammeln, herumzukommen und auch andere Küchen kennenzulernen. Langfristig möchte ich eine Ausbildung zum Küchenmeister machen und dann früher oder später im elterlichen Betrieb miteinsteigen.
Raisch: 2018 werde ich mit der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft mitmachen und dann in einigen Jahren den Betrieb von meinen Eltern übernehmen – gemeinsam mit meinen Geschwistern.

Friedrich Rentschler und Maximilian Raisch

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